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MTB-Dreitagestour der Mittwochsmänner

Gruppenbild MTB-Tour 2026 (Foto: A. Lomberg) (Bild vergrößern)
Bild zur Meldung: Gruppenbild MTB-Tour 2026 (Foto: A. Lomberg)

Es ist Freitag (12.06.2026) und das geplante MTB-Aktivwochenende steht vor der Tür. Leider beweist der meteorologische Sommer, dass er weitaus mehr als nur eitel Sonnenschein in seinem Repertoire hat. Bei gerade einmal 11 Grad und Dauerregen finden sich am frühen Morgen nach und nach die Mountainbiker des MTV Förste am vereinbarten Treffpunkt bei Heinz Wienbreier ein. Der südlichste Punkt ihrer dreitägigen Fahrt ist die Königsalm im Kaufunger Wald. Neben der sportlichen Herausforderung ist das Gemeinschaftserlebnis der wichtigste Aspekt ihrer sportlichen Aktivität. Aufgrund der Teilnehmerzahl wird in zwei Gruppen gestartet. 

 

Lars Mönnich versucht dem vor dem Start dem schlechten Wetter eine positive Seite abzugewinnen. Seine Bemerkung: „Gott sei Dank fahren wir nicht zum Brocken. Wenn das so weitergeht, fängt es da oben noch an zu schneien“, hebt das Stimmungsbarometer der siebzehnköpfigen Gruppe nur unwesentlich an. 

 

Mit den tröstenden Gedanken, dass es kein schlechtes Wetter, sondern nur unpassende Bekleidung gibt, machen sich die Mountainbiker im fast winterlichen Outfit und regenfester Bekleidung auf dem Weg in Richtung Süden. Also in die Richtung, in der das Wetter angeblich immer schön sein soll. 

 

Im starken Dauerregen geht es anfangs an der Söse und Rhume entlang ins Eichsfeld. Das erhoffte schönere Wetter entpuppt sich schnell als ein illusorischer Wunsch. Das erste trockene Plätzchen wird nach einem weiten Bogen an der Grillhütte in der Nähe von Holzerode erreicht. Helfende Hände haben dort eine zünftige Vesper vorbereitet. Der wärmende Kaffee weckt neue Lebensgeister,  aber nicht die volle Aufmerksamkeit. Das bemerkt Peter Dreymann erst nach seinem Sturz aus dem Transporter. Weil eine beengte Ladefläche kein so guter Platz ist, um die Regenüberhose zu richten und das Bekleidungsstück keine elastischen Fähigkeiten aufweist, misslingt der Ausfallschritt von der Ladefläche. So fällt er spektakulär hinunter. Nach der Schrecksekunde geht es weiter in Richtung Harzblickturm, Mackenröder Spitze Kerstlingeröder Feld.  Während der Rast am Göttinger Ausflugsziel „Kehr“ bietet sich außergewöhnliches Schauspiel. Unerwartet windet sich ein Mitfahrer rücklings wie ein Aal auf dem Rasen. Fieberwahn? Nein, vom vorausgehenden Sturz will er mit dieser Aktion lediglich den gröbsten Schlamm von der Bekleidung entfernen. Nach dieser artistischen Einlage folgen mit Bismarckturm und Sternwarte die nächsten Zwischenziele. Bereits bei trockenen Bedingungen sind die Trails schwierig zu befahren. Noch größeres Können erfordert die schmierseifenähnliche Trailabfahrt. Aufgrund des starken Niederschlags wird die Region gruppenintern in Göttinger Regenwald umbenannt. Letztendlich kommt flacheres Gelände in Sicht. Die letzten fünfzehn, leicht hügeligen Kilometer sind schnell bewältigt. Unerwartet entfaltet der Spruch mit dem schöneren Wetter im Süden bereits in Friedland seine Wirkung. Die Reinigung der total verdreckten Mountainbikebekleidung findet im Außenbereich bereits im Sonnenschein statt.  Die nicht minder dreckigen Räder erhalten ebenfalls ein Vollbad. 

 

Am nächsten Morgen folgt die Erkenntnis, dass ausgiebiger Regen und reichlich Waschwasser auch gut geölte Ketten in ein rostbraunes Gebilde verwandeln können. Leider reicht das vorhandene Kettenöl nicht für jede Kette. Heinz „Mc. Giver“ Wienbreier kann, pragmatisch wie er ist, das Problem lösen. Er findet altes Fritteusenfett und macht damit die Kette wieder geschmeidig. Im Gegensatz zum Vortag, starten beide Gruppen frohgelaunt in den sonnigen Tag. 

 

Jeder, der die Kasseler Berge von der Autobahn her kennt, kann sich in etwa vorstellen, wie schön die Abfahrt nach Witzenhausen ist. Umso anspruchsvoller folgt darauf der mühsame Anstieg im Gelände. Fast zehn Kilometer geht es hinauf. Kaum oben angekommen, geht es bereits in flotter Fahrt wieder hinunter. Kurz vorm Ziel endet die Streckenführung abrupt vor einem Fluss. Eine Brücke über die Nieste ist weit und breit nicht in Sicht. Was nun? Umdrehen und einen neuen Weg suchen? Nein! Um die Fahrt weiter oberhalb fortsetzen zu können, werden die Räder mühsam den steilen, rutschigen Berghang hinaufgewuchtet. Endlich kommt die Königsalm im Kaufunger Wald in Sicht. Nach einer zünftigen Stärkung geht es zurück nach Friedland. Über drei Kilometer und bei bei warmen Temperaturen, wird es noch steiler als zuvor. Ebenso anspruchsvoll, geht es anschließend  hinunter. Und wieder endet der Weg im Nirgendwo. Urwaldähnliches Baum- und Buschwerk verhindern die Weiterfahrt. Scout Peter Bialek erkundet die weiteren Möglichkeiten. Mit etwas Improvisation gelingt in einiger Entfernung der Wiedereinstieg in die Streckenführung. Kurz vor Neu Eichenberg rückt rechter Hand das gewaltige Strombauprojekt „Südlink“ ins Blickfeld.  Wie ein riesiger Lindwurm liegt das Material bereit, um nach der Fertigstellung den Strom unterirdisch von der Küste in den Süden Deutschlands zu leiten. 

 

Im wahrsten Sinn des Wortes wartet das Schloss Berlepsch mit einem weiteren Höhepunkt auf. Ein steiler Schotterweg bringt mit über 20 % Steigung die Lungenflügel förmlich zum Vibrieren. Oben angekommen entschädigt der Schlossblick ein wenig die strapaziöse Auffahrt. 

 

Am Sonntag steht der überpünktlichen Abfahrt nichts im Weg. Doch nach zwei Kilometer geht Joachims Blick zwecks Kontrolle der Abfahrtszeit ins Leere. Die Gruppe kommt zum Halt. Während des Anrufs im Hotel bemerkt Michael Kasten den ebenfalls haltenden Herbert Herr und spricht zur Gruppe: „Herbert ist aber mutig. Der hat gar nichts dabei. Er fährt ohne Rucksack zurück“ Zeitgleich schaut Herbert über seine Schulter und stellt verdattert fest: „Shit“ Mein Rucksack steht noch am Hoteleingang“. Beide kehren um und kommen wohlbehalten mit Uhr und Rucksack zurück. 

 

Kurz vor Göttingen fristet ein unscheinbarer Medienstar sein Dasein. Mitten in der Landschaft wird er oft wehrlos überrollt oder mit den Füßen getreten und das zu Recht. Nur zu diesem Zweck überquert die Ersatzbrücke den Wendebach. In den ersten Monaten dieses Jahres sorgt die Sperrung des Radwegs und die anschließende „illegal“ errichtete Fußgänger- und Radbrücke bis heute wochenlang für landesweite mediale Aufmerksamkeit.

 

Hinter Weende zeigt der Fernsehturm auf dem Klausberg die weitere Richtung an. Der Weg dorthin ist über Singletrails der Stufe „S2“ nicht einfach zu bewältigen. Kurz danach wird die Burg Plesse erreicht. Nach der Rast und einem kurzen Blick ins sonnige Leinetal geht es weiter. Einige Zeit später steht bei Sudershausen ein letzter und gut zu fahrender Anstieg in Richtung der Leisenburger Kirchenruine an. Soweit die Theorie. Weil der angezeigte Weg in der Realität nicht mehr existiert, wird die aufkommende Vorfreude schnell im Keim erstickt. Der Blick auf die einzige Alternative entlockt Gastfahrer Michael Kasten die ernüchternde Feststellung „Da bin ich ja vom Regen in die Traufe gekommen“. Durchs hohe Gras, Schlamm und erdeckte kraterförmige Löcher wird sich mühsam der Weg nach oben gebahnt. Die zweite Gruppe ist ebenfalls nicht vor Unbill gefeit. Sensorausfall, Speichenbruch und Kettenriss verzögern die Rückfahrt. Landwirt Uli Haase ist technisch versiert. „Wer einen Bauernhof bewirtschaften kann, der schreckt mit dem passenden Equipment vor keiner Kettenreparatur zurück“ lautet sein kürzeres Statement. Da die Biker nicht vollständig auf das feuchte Element verzichten können, sorgt eine Furtpassage ersatzweise für den Kontakt mit dem nassen Element. 

 

Am frühen Nachmittag erreichen beide Gruppen nach ca. 190 Kilometer und ca. 2.800 Höhenmetern wohlbehalten Förste. Viel Zeit zum Ausruhen bleibt den Förster Mountainbikern nicht. Neben den üblichen Mittwochstouren wird die geplante Route für den Harzer Hexentrail 2026 intensiv befahren und fortwährend optimiert.
(Text: J. Schwerthelm))

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